Moorschutz gegen den Klimawandel

Wir hatten die Ehre, Susanne Abel, die Koordinatorin des Projekts “Deutscher Moorschutzdialog”, zu interviewen. Sie hat sich die Zeit genommen, um einige der wichtigsten Umweltprobleme unserer Zeit zu beleuchten und mögliche Lösungsvorschläge vorzustellen. Sie ist eine Expertin im Bereich Ökosystem Moor und sieht in ihrer Arbeit einen wichtigen Beitrag zum Schutz des Klimas und der Biodiversität.


Hier schonmal ein kleiner Überblick, was dich erwartet:

  • Was jede:r über Moore wissen sollte

  • Warum werden Moore trocken gelegt?

  • Warum ist die Trockenlegung ein Problem?

  • Wie ein CO2-Fußabdruck und die Paludikultur dieses Problem lösen können

  • Was jede:r für Moorschutz tun kann


Viel Spaß beim Lesen. :)




Was Macht das Greifswald Moor Centrum?

Susanne Abel arbeitet und forscht seit Abschluss ihres Biologiestudiums nun bereits 10 Jahre für das Greifswald Moor Centrum. Das Greifswald Moor Centrum teilt sich in drei Bereiche auf und plant, forscht und vermittelt alle möglichen Felder rund um den Moorschutz. Ein zentrales Fundament bildet die Succow Stiftung. Hier werden Moorflächen wieder vernässt.

Zudem arbeiten die Universität Greifswald und ein An-Institut an der Forschung und Vermittlung. Das Greifswald Moor Centrum ist somit sehr breit aufgestellt und weist viele Experten aus unterschiedlichen Disziplinen auf.


Ein typisches Moor in Deutschland könnte so aussehen
So ein Moor hat jede:r schon einmal gesehen.

Was Jede:R über Moore Wissen sollte

Natürliche Moore sind Feuchtgebiete mit der wichtigen Eigenschaft, dass sie Torf enthalten.

Torf entsteht dadurch, dass abgestorbenes Pflanzenmaterial immer unter Wasser steht und somit nicht aerobisch durch Mikroorganismen zersetzt werden kann. Die Pflanzenreste bleiben so konserviert wie die sauren Gurken im Glas. Über viele Jahre hinweg akkumulieren bzw. sammeln sich die Pflanzenreste und bilden Stück für Stück die Torfschicht auf. Dabei wächst die Schicht ungefähr einen Millimeter pro Jahr. Moore sind überall auf der Welt zu finden und die Moorfläche Deutschlands beläuft sich auf ca. 7%.

Moore speichern riesige Mengen an CO2 in Form von Torf

Des Weitern sind diese Ökosysteme von enormer Bedeutung für die Biodiversität, da häufig sehr extreme Bedingungen herrschen und nur spezialisierte Arten überleben können.

Zudem reinigen sie das Wasser und die dort enthaltenen Nährstoffe.

Moore sind sozusagen die Nieren und die Leber der Umwelt.

Es gibt verschiedene Arten von mooren?

Ja, denn welches Moor vorhanden ist entscheidet sich nach dem Standort. Die wichtigste Kategorisierung bilden die Hoch- und Niedermoore.


Hochmoore sind Regenwasser gespeist.

Niedermoore hingegen bestehen aus Wasser, das bereits Kontakt mit dem mineralischen Untergrund hatte.


Zwischen den Moorgruppen gibt es große Unterschiede. Vor allem die regengespeisten Hochmoore weisen oft einen außerordentlich niedrigen PH-Wert und wenig bioverfügbare Nährstoffe für die Pflanzenwelt auf.



Der Sonnentau floriert in den regengespeisten Hochmooren.
Der Sonnentau floriert in den regengespeisten Hochmooren.

In diesen Mooren finden wir natürlich hochspezialisierte Arten wie z.B. den Sonnentau oder auch Fleischfressende Pflanzen, die durch Insekten zusätzliche Nährstoffe aufnehmen können.

Da bei uns in Deutschland nur noch 2% der Moore natürlich sind, sind besonders viele dieser spezialisierten Arten auf der roten Liste und akut vom Aussterben bedroht.

Im Vergleich dazu herrscht in den Niedermooren eine enorme Pflanzenmasse, die positiv zur CO2-Speicherung beiträgt und in Sachen Produktivität den Laubwäldern Konkurrenz macht.


Schilfflächen und Röhrichte bringen es auf bis zu 16t/ha Pflanzen-Trockenmasse pro Jahr! *

Warum werden Moore trockengelegt?

Torf funktioniert wie ein Art Schwamm und kann viel Wasser halten. Genau diese Funktion macht den Rohstoff so interessant. Oft wird in der normalen Blumenerde, die wir so aus dem Baumarkt kennen, Torf beigemischt und so für Pflanzen als Substrat genutzt.


Torf ist also ein Grund für die Trockenlegung der Moore, spielt aber mit lediglich 5% nur eine untergeordnete Rolle.


In erster Linie (über 70%) sind es landwirtschaftliche Gründe, die eine Trockenlegung begünstigen.

Von diesen 70% neu gewonnen Flächen, werden ca. drei viertel für Weideland verwendet, um Viehfutter für Milchkühe zu gewinnen. Nur 25% werden zu neuem Acker für menschliche Nahrungsmittel.

Somit ist klar, dass wir die Landwirtschaft als Partner brauchen, denn hier müssen bessere Alternativen gefunden werden. Wir befinden uns mitten in einem Paradigmenwechsel. Vor vielen Jahren war es lebensnotwendig die Moore trocken zu legen, um neue Flächen für die Lebensmittelproduktion zu gewinnen. Und jetzt soll das alles falsch sein?!


Wir haben heute ganz andere Probleme und müssen dementsprechend handeln und Lösungsalternativen finden.


Ein Griff zu tierfreien Produkten schützt die Moore!
Ein Griff zu tierfreien Produkten schützt die Moore!

Lösung: Landwirtschaft und CO2-Fußabdruck

“Wir können nicht einfach Weideland verbieten, sondern müssen gemeinsam mit der Landwirtschaft eine Exit Strategie entwickeln. Noch sind wir zu keiner Lösung gekommen, allerdings gibt es Ansätze, die sich sehen lassen können.” erklärt Frau Abel.

Eine Idee wäre es auf Lebensmittelprodukten den CO2 Fußabdruck sichtbar zu machen.

“Dann würde keiner mehr freiwillig die Moormilch kaufen, da sie fünfmal mehr Emissionen verursacht als Milch vom Mineralboden.”


Bei den Tierprodukten befindet sich der wohl größte Hebel. Wenn weniger Tierprodukte nachgefragt und produziert werden würden, könnten Fläche zurückgewonnen werden. Allerdings brauchen wir auch hier einen guten Finanzplan, um für die Landwirt*innen einen Ausgleich zu schaffen.



Moorschutz bedeutet Klima- und Biodiversitätsschutz !

Pflanzen bestehen zu einem Großteil aus Kohlenstoffdioxid- und Wasserverbindungen. Da Moore über Tausende von Jahren Pflanzenreste konservieren, werden enorme Mengen an CO2 im Torf gespeichert. Die ganzen konservierten Pflanzenreste werden nach einer Trockenlegung der Moore wieder organisch (bspw. durch Pilze) zersetzt und das CO2 kann wieder in die Atmosphäre gelangen.


Ist eine Moorwiedervernässung immer effektiv?

Bei der Wiedervernässung werden trockengelegte Moore mit Wasser überflutet. Vorher werden alle Abflüsse und Gräben dicht gemacht, damit das Wasser auf der Fläche stehen bleiben kann. Mit dieser Prozedur wurden über die Jahre viele Erfahrungswerte gesammelt. Besonders die Stiftung Naturschutz in Schleswig Holstein war über lange Zeit besonders aktiv. Inzwischen wissen wir, dass nicht jedes Moor einfach wiedervernässbar ist. Wichtig ist, dass die Entwässerung vollständig gestoppt wird, damit kein Wasser mehr abfließen kann.

Oft wachsen Regenmoore wie eine Linse leicht gewölbt in der Mitte nach oben. Wenn allerdings die eine Hälfte abgetorft wird, kann die andere Hälfte das Wasser nicht mehr halten. Folglich müssen neue Maßnahmen ergriffen werden, um diese Flächen neu zu vernässen.

Da wir das Wasser in unserer Landschaft brauchen, gibt es auch keine richtigen Argumente gegen eine Wiedervernässung. Es ist absolut kontraproduktiv, unsere Moore weiter trocken zu legen und somit kostbares Wasser aus der Landschaft zu leiten, denn genau diese Ökosysteme tragen dazu bei, dass unser Grundwasser gereinigt wird und die Pflanzen mit genug Wasser versorgt werden.


Ein zentraler Punkt, den man bei Moor- und Klimaschutz bedenken muss ist, dass es immer um die Reduktion von CO2-Emissionen geht. Genau der Punkt wird oft falsch verstanden. ((Obwohl Moore gerade sehr präsent in der Presse sind und häufig mit dem Wald als CO2 Senke verglichen werden, reduzieren sie nur auf lange Sicht mehr CO2 als Wälder.))


Bei jeder Wiedervernässung findet eine hohe Reduktion an freigelassenen Treibhausgasen statt.

Somit ist ein wiedervernässtes Moor immer Klimaschutz! Um diesen Aspekt werden wir in der Klimakrise nicht drum herum kommen, denn die Zahlen sind enorm.

Krasser Fakt: Bei der Entwässerung der Moore wird neben dem CO2 auch Lachgas (N2O) frei gesetzt, was 265x mehr dem Klima schadet als CO2 (**).

Viel wichtiger wäre es durch Moorflächen einen wirtschaftlichen Faktor zu gewinnen, der dem Klima- und Biodiversitätsschutz nicht im Weg steht. Wie das geht?



Moore sinnvoll nutzen durch Paludikultur ?

Bei der Paludikultur handelt es sich um die produktive Nutzung von wiedervernässten Mooren. Auf 17 Hektar Fläche kultiviert das Greifswald Moor Centrum Torfmoos in der Nähe von Oldenburg. So wäre eine wirtschaftliche Nutzung der Moore möglich, denn das Torfmoos speichert viel Wasser und könnte so ebenfalls als Substrat verwendet werden. In Oldenburg wird daran geforscht, den Rohstoff wirtschaftlich lohnenswert zu kultivieren.

Das bisherige Problem bei der ganzen Sache ist wie so oft das Geld, denn Torf kann man einfach ausgraben und verwenden, weil die Natur über tausende von Jahren Vorarbeit geleistet hat. Das Torfmoos hingegen muss kultiviert werden und ist somit noch erheblich teurer. Eine CO2- oder Torfsteuer könnten hier einen Ausweg bieten.

Zudem gibt einige Beispiele, bei denen aus Pflanzenresten Plastik-Alternativen produziert wurden. Auch wenn hier wirtschaftliche Gründe noch die Marktreife behindern, wird stetig weiter geforscht, denn es lassen sich schon Lichtblicke erkennen, um auch ernsthafte Alternativen zu fossilen Brennstoffe zu finden.


Wenn das Thema Paludikultur dein Interesse geweckt hat, schau gerne auf dem Youtube-Kanal des Greifswald Moor Centrum vorbei. Hier findest du Videos zur internationalen Konferenz zur Paludikultur und mehrere Exkursionen zum Thema wirtschaftliche Nutzung der Moore. Ein klasse Einstiegsvideo mit dem Titel "Moor muss Nass" findest du hier.


Was jeder für den Moorschutz tun kann


1. Verwende torffreie Erde für deine Pflanzen


2.Verwende tierfreie Produkte

Im Supermarkt wäre es ein Anfang gelegentlich die Milch stehen zu lassen und stattdessen die klimafreundlichen Alternativen zu nehmen. Je mehr Tierprodukte im Regal stehen bleiben, desto mehr Signal geht an die Politik und somit an die Landwirtschaft, dass ein Umbruch in der Lebensmittelproduktion gewünscht ist.


3. Mach aufmerksam!

Außerdem müssen die Moore sichtbar gemacht werden. Es gründen sich immer mehr Initiativen, die sich für den Moorschutz engagieren. Hier könnte sich allerdings noch viel mehr tun, denn noch geht alles weiter wie bisher. Die Politik sendet keine neuen Signale, daher müssen wir den ersten Schritt machen. Informiert euch beim lokalen Naturschutzverein oder gründet euren eigenen.


Abschließend macht Frau Abel deutlich: “Nutzt und verbreitet die Daten und Arbeiten des Greifswald Moor Centrum! Diese sind dafür da, genutzt zu werden, um wissenschaftlich fundierte Veränderung bewirken zu können.”


Das Website des Greifswald Moor Centrum findest du unter folgendem Link:

https://www.greifswaldmoor.de/start.html





Hau rein,









Bei unserer Recherche haben wir folgende Quellen entdeckt und für diesen Artikel verwendet:


* https://www.aktion-moorschutz.de/moor-infos/was-ist-ein-moor/niedermoor.html


**https://www.dehst.de/SharedDocs/downloads/DE/publikationen/Factsheet_Moore.pdf?__blob=publicationFile&v=6

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Heute mal kein Blog, sondern ein kurzes Video über den aktuellen Stand unseres Projektes. Mach’s gut, Marvin